Soja Kulturgeschichte der braunen Bohne

 
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Soja Kulturgeschichte der braunen Bohne

Das nährstoffreichste Mitglied der Bohnenfamilie liefert heutzutage für Millionen von Menschen leicht verdauliches pflanzliches Protein sowie Grundsubstanzen für hunderte chemischer Produkte.

Soja Kulturgeschichte der braunen BohneVom Insektenspray bis zu künstlichen Hormonen oder Vitaminkonzentraten. Seit fast 5.000 Jahren dient die Sojabohne im asiatischen Raum als Lebens- und Arzneimittel. Erste schriftliche Hinweise für den Anbau der Hülsenfrucht stammen aus China, wo um 2838 v. Chr. Kaiser Chen-Nung sie angeblich mit eigenen Händen pflanzte. In Europa dagegen wird sie erst Ende des 19. Jahrhunderts heimisch.

Im Jahre 1852 verzeichnet „Meyer’s großes Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände” in Europa noch keine Anbauversuche, vermerkt nur lobend die „pikante Sauce“, die man als „schmackhafte Zuthat aus Japan in kleinen Fäßchen, aus China und andern Gegenden Ostindiens aber in gläsernen Flaschen“ importiert, und regt an, die „japanische Brühe“ aus einheimischen Bohnenarten herzustellen.

Erste Anbauversuche gab es um 1877 in Chur in der Schweiz. Doch noch fünfzig Jahre später bedauert Meyers Lexikon: „In Mitteleuropa hat ihr Anbau trotz vielfachen Versuchen keine befriedigenden Erträge gegeben.” Denn inzwischen kennt man den hohen Nährwert der kleinen, mandelartig schmeckenden Samen. Sojaöl wird bereits für „Kunstspeck”, „Kunstbutter” sowie zur Seifensiederei verwendet. Die Ölkuchen verfüttert man ans Vieh oder nutzt sie als Dünger. In Österreich verwendet man die gerösteten Bohnen gar als Kaffeesurrogat.

Versuche aber, proteinhaltige Backwaren aus Sojamehl als Fleischersatz einzuführen, „scheitern meist an der Voreingenommenheit der Bevölkerung”, kommentiert die Enzyklopädie. Mitte der 1930er Jahre hat die unscheinbare Bohne bereits eine bedeutende Position auf dem Weltmarkt erlangt: Sie dient als Rohstoff für die Industrie, die sie zu Glyzerin, Firnis, Linoleum, Sprengmitteln oder Malfarben verwandelt. In den 70ern experimentiert man dann erstmals mit der Herstellung von so genanntem vegetabilem- oder Kunstfleisch aus Sojaprotein.

Die Sojabohne gehört zu den Schmetterlingsblütern. In den USA, Brasilien, China, Argentinien und sonstigen gemäßigt-warmen Gebieten wird sie in vielen Kulturformen angebaut und stellt an den Boden ähnliche Ansprüche wie Mais.

Die einjährige, behaarte, buschbohnenähnliche Pflanze wird bis zu 130 cm hoch und ist vielfach selbstbefruchtend. In den Blattachseln trägt sie Büschel von violetten bis weißen Blütchen.

Die Hülsen enthalten 3–5 nierenförmige weißliche oder bräunliche Samen.Diese enthalten ca. 36 % Eiweiß, 20 % Kohlenhydrate, 18 % Fett, 2 % Lezithin, 5 % Rohfasern und 5 % mineralische Bestandteile, z. B. knochenbildendes Phosporsalz, Eisen, Kalium und Kalzium, dazu noch Vitamine (besonders Vitamin B2), Cholin, Betanin, Trigonellin, Guanidin, Saponine, Flavonglykoside u. a.

Das durch Pressen oder Extrahieren gewonnene gelblich-bräunliche Öl enthält über 70 % ungesättigte Fettsäuren, die Glyzeride der Linol-, Linolen- und Ölsäure.

Im leichtverdaulichen Sojaeiweiß kommen alle essentiellen Aminosäuren vor. Der Sojaquark ist zudem nicht nur cholesterinfrei: Da Tofu keine Stärke enthält, ist er auch optimal für die Ernährung von Diabetikern geeignet.

Forschungen nach den medizinischen Qualitäten dieser Hülsenfrucht haben außerdem ergeben, dass ein bestimmter Wirkstoffkomplex in der Lage ist, im menschlichen Körper einen Stoff verstärkt abzubauen, der bei Krankheiten wie Rheuma oder Gicht eine Rolle spielt: die Harnsäure.

Welche Fähigkeiten sonst noch in der Wunderbohne stecken, wird die Zukunft erweisen. Und bis dahin: guten Appetit.

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Kategorie: gemuese
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Erfassung: 27.02.2007
Quelle: Kochmix
 
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