Nano-Food: Nanopartikel in Lebensmitteln, wie gefährlich ist das?

 
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Nano-Food: Nanopartikel in Lebensmitteln, wie gefährlich ist das?

Das deutsche Umweltbundesamt (UBA) warnt: Nanopartikel können gefährlich sein. Wie gefährlich, das weiß man leider noch nicht.

Nanopartikel in LebensmittelDeshalb empfiehlt das UBA im Fazit seiner am 21. Oktober 2009 veröffentlichten Studie „Nanotechnik für Mensch und Umwelt – Chancen fördern und Risiken mindern“, „die Verwendung von Produkten, die Nanomaterialien enthalten oder frei setzen können (...) so lange zu vermeiden, als ihre Wirkungen in der Umwelt und auf die menschliche Gesundheit weitgehend unbekannt sind“.

Ungeachtet unserer gravierenden Wissenslücken sind Nanopartikel – also Materialstückchen, die zwischen einem und 100 Nanometern (1 Nanoemter = 1 Millionstel Millimeter) klein sind –, bereits in zahlreichen Produkten auf dem Weltmarkt unterwegs.

Ob es mit Silberionen beschichtete Socken sind, die nicht miefen sollen, oder der Einsatz so genannter Produkt-Micellen der Darmstädter Firma Aquanova, die Konservierungsstoffe besser auf den Lebensmitteln verteilen sollen oder sauerstoffundurchlässige Hybrid-Kunststoff-Folien des Bayer-Konzerns mit nanoskaliger Silikatbeschichtung, die als Lebensmittelverpackung längere Haltbarkeit gewähren sollen.

Nano-Food: Was haben Nanopartikel im Essen zu suchen?

Wieso landen Nanopartikel aus Menschenhand eigentlich im Essen? Und zu welchem Zweck? In einer Pressemeldung des Europaparlaments erfährt man mehr: Nanopartikel können, so hofft oder weiß die Lebensmittelindustrie

  • die Stabilität der Produkte erhöhen (z. B. kann eine Nanoschicht aus Titandioxid, das in Sonnencremes als UV-Filter dient, auch das Altern von Schokolade verlangsamen, so dass sie länger schön aussieht)
  • Aussehen, Geschmack oder Konsistenz von Lebensmitteln verändern
  • die Aufnahme bestimmter Inhaltsstoffe in den Körper steuern.

Doch Nanomaterialien müssen gar nicht unbedingt direkt Lebensmitteln zugefügt sein, um im Magen-Darm-Trakt zu landen und von dort aus weiterzugelangen. Die Aufnahme durch den Mund kann auch über Haushaltsprodukte (z. B. mit Nanosilber beschichtete Schneidebretter, Aufbewahrungsbehälter, Messer o. ä.), über Reinigungsmittel oder in Zukunft vielleicht über das Trinkwasser erfolgen.

Wie die Gesundheitsminister der EU im März 2009 besorgt konstatierten, weiß eigentlich niemand so genau Bescheid über das Ausmaß, in dem Nanopartikel von der Lebensmittelindustrie bereits eingesetzt werden: „ Bisher ist nicht klar, wie weit Nanopartikel tatsächlich schon bei Lebensmitteln in Europa zum Einsatz kommen. Zwar sind sie grundsätzlich entsprechend der Novel-Food-Verordnung als sogenannte neuartige Lebensmittel zulassungsbedürftig, aber ohne, dass angegeben werden müsste, das Nanopartikel eingesetzt wurden.“

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit habe keine Ahnung, ob und wie viel Nano Food in Europa auf dem Markt sei, heißt es in der Pressemeldung. Und auch das UBA kritisiert, dass für die Konsumenten überhaupt nicht erkennbar ist, „ob ein Produkt Nanomaterialien enthält oder nicht“.

Doch was störts den Mond, wenn ihn der Hund anbellt, und was den Konsumenten, wenn ein zusätzlicher Winzling im Essen herumschwirrt, könnte man an dieser Stelle fragen.

Nanopartikel - klein und gemein?

Die Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft Swiss Re ging in ihrem Report „Nanotechnologie. Kleine Teile – große Zukunft“ (Annabelle Hett et alt., 2004) der Frage nach, ob und wie die Aufnahme von Nanopartikeln über den Magen-Darm-Trakt erfolgen könnte und welche Konsequenzen zu erwarten seien: Bleiben in der Nahrung enthaltene Nanopartikel im Darm oder gehen sie von dort in den Blutkreislauf über?

Sie stellte bereits damals fest: Je kleiner die Partikel, desto eher und desto mehr gelangen Nanoteilchen nicht nur ins Blut, sondern auch ins Lymphsystem, weil sie z. B. auch durch Immunschranken im Darm hindurchgelangen. Und das ab einer Größe von unter 300 Nanometern.

Sind sie kleiner als 100 Nanometer, werden sie „darüber hinaus von verschiedenen Geweben und Organen aufgenommen“, stellt der Report fest, und zieht als Fazit: „Gelangen Nanopartikel nun in den Verdauungsapparat und von dort in die Blutbahn, können sie sich wiederum im gesamten Körper bewegen und Aktivitäten entwickeln, die sich für den Organismus möglicherweise als problematisch erweisen.“

Trojanische Zellen voller Nano-Fremdkörper als Zukunftsvision?

Ab einer Größe von rund 200 Nanometern werden die winzigen Partikel nicht nur von den Fresszellen der Immunabwehr aufgenommen, sondern landen auch in anderen Zellen, in denen eigentlich kein Fremdkörper landen sollte – beispielsweise in roten Blutkörperchen.

Und in solchen „trojanischen Zellen“ reisen die Nanoteilchen dann munter durch den gesamten Körper, verteilen sich in Organen wie Leber, Milch und Knochenmark, aber auch je nach ihrer Oberfläche, in den Knoten des Lymphsystems, ja sogar im Gehirn, dem am besten abgeschirmten und beschützten Ort im Körper.

Was die akkumulierten Nanoteilchen in den Organen anrichten, ist ungewiss. Man kann nur aus den Erfahrungen mit Asbest und Feinstaub schließen, dass Nanomaterialien die Büchse der Pandora sind. Oder in den Worten des UBA: „Nanopartikel mit einem Durchmesser <30nm können sogar in den Zellkern gelangen, wobei kleinste Nanopartikel (<2nm) sich als Cluster in die DNS-Doppelhelix einlagern können. Die gesundheitlichen Wirkungen solcher möglichen Interaktionen sind noch völlig unbekannt.“

Studien zur Auswirkung von Nanopartikeln auf Lebewesen

Die Studie des UBA vom Herbst 2009 kann fünf Jahre nach dem SwissRe-Report schon auf eine größere, wenn auch nicht ausreichende Anzahl Studien zu den Risiken von Nanopartikeln zurückgreifen. Und die scheinen in Bezug auf gesundheitliche Probleme erheblich zu sein. In Tierstudien wurde nachgewiesen, dass Nanomaterialien bei Nagetieren die Erbsubstanz schädigen, Krebs hervorrufen und Entzündungen des Lungengewebes hervorrufen.

Die Reaktion aquatischer, also im Wasser lebender Mikroorganismen, Kleintiere wie Wasserflöhe und Fische sowie von Nutzpflanzen wie Mais, Gurken, Soja oder Karotten wurde mittlerweile ebenfalls beobachtet.

Diverse Studien weltweit zeigen, dass bei der Belastung durch Nanomaterialien wie nanoskaligem Silber, Titandioxid, Aluminiumoxid oder Kupfer verschiedene gesundheitlich bedenkliche Effekte auftreten: erhöhte Sterblichkeit bei Wasserflöhen erhöhte Fehlbildungsrate während der Embryonalentwicklung bei Fischen, reduzierte Enzymaktivitäten bei Asseln, eingeschränkte Fortpflanzungsrate bei Würmern, reduziertes Wurzelwachstum bei Nutzpflanzen.

Dazu kommt, dass sich die toxische Wirkung von sowieso schon giftigen Stoffen wie etwa polyzyklischen Kohlenwasserstoffen in Kombination mit Nanomaterialien erhöhen kann, weil sie sozusagen Huckepack auf Nanopartikeln leichter in den Körper gelangen können.

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Kategorie: ratgeber
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Erfassung: 04.11.2009
Quelle: kochmix
 
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