Mogelt die Packung? Wissenswertes zur Lebensmittelverpackung

 
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Mogelt die Packung? Wissenswertes zur Lebensmittelverpackung

Die Lebensmittelindustrie, vor allem die großen internationalen Konzerne wie Tchibo, Nestlé, Procter & Gamble, Unilever, Masterfoods, aber auch Oetker, Kraft oder Nordmilch gehören zu den mächtigsten Betrieben der Welt, die sich dieselbe gern nach ihrem Gusto formen würden.

Lebensmittelverpackung im SupermarktDiesen Eindruck gewinnt man jedenfalls, wenn man über längere Zeiträume beobachtet, wie die Konzerne teils gegen den erklärten Verbraucherwillen (Stichwort: genetisch verändertes Material), gegen Mahnungen der Ärzteschaft (Stichwort: Zucker- und Transfettgehalt) mit allen möglichen legalen wie fragwürdigen Methoden versuchen, ihre Waren an den Mann und an die Frau zu bringen.

Es ist durchaus in Ordnung, dass Unternehmen Gewinne machen – sie haben ja auch Ausgaben und sie liefern ja auch Produkte. Die Frage ist nur, welche Produkte. Das wüsste man als Verbraucher, zumal als gesundheitsbewusster Verbraucher, dann doch ganz gern. Schließlich hängt das eigene Wohl und Wehe davon ab.

Zum einen sollte man problemlos erfahren können, was in einer Verpackung drin ist, auch an Nährwerten. Zum zweiten sollte man nicht erst lange suchen und/oder rechnen müssen, um zu wissen, ob ein Produkt teurer geworden ist oder nicht - und was es, aufs Kilo bezogen, denn nun wirklich kostet.

Weil die Industrie an sich aber auf jeden Fall der Konkurrenz (und vielleicht auch den Kunden?) ungern verrät, was ihre Produkte so einmalig, unverwechselbar und außergewöhnlich macht, ist das natürlich bei den Herstellern nicht unbedingt beliebt. Am ehesten noch, wenn es werbewirksam ist: Auf Diätlebensmitteln finden sich jedenfalls meist Nährwertangaben, wie ein Blick in die örtlichen Supermarktregale rasch zeigt.

Die europäische Gesetzgebung in Europa ist zumindest in einem Punkt eher auf Seiten der Verbraucher: Der Preisvergleich soll möglich gemacht werden durch den so genannten Grundpreis. Ob’s funktioniert? Dazu mehr im Artikel Mogelpackung: Weniger drin bei gleichem Preis. Doch Nährwertangaben sind noch keine Pflicht, sondern Kür.

Mogelpackung? Verbraucherschützer unzufrieden mit Nährwertauszeichnung

Im Rahmen der Gesundheits- und Übergewichtsdebatte haben Verbraucherschützer die Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen geprüft – und sind unzufrieden. Insgesamt mehr als 3.500 Lebensmittel aus elf Warengruppen von rund 50 Herstellern aus 17 Supermärkten untersuchten die Verbraucherzentralen im August 2009.

Fazit der Verbraucherzentrale: Vor allem die Süßwarenhersteller verzichten gern auf Nährwertangaben auf der Verpackung. Ob Ritter Sport, Ferrero oder Haribo – wer wissen will, wie hoch der Energiegehalt, der Fett-, Eiweiß- oder Kohlehydratanteil der jeweiligen Lieblingssüßigkeit ist, hat meist Pech, so die Verbraucherschützer.

Aber auch ansonsten sehe es gerade dort eher mau aus, wo eine genaue Kennzeichnung vielleicht dazu führen könnte, dass sich die Käufer Gedanken machen, ob sie sich wirklich so fettige oder zuckerreiche Lebensmittel einverleiben wollen. Also auch bei Wurstwaren wie Leberwurst und Blutwurst, bei Molkereiprodukten oder süßen Brotaufstrichen.

Bei rund 15 % der analysierten Lebensmittel fehle jegliche Angabe, so die Verbraucherzentrale Hamburg. 33 Hersteller zeichneten ihre Produkte unbefriedigend aus, nur neun Hersteller kennzeichneten ihre Produkte gut, darunter Iglo, Danone und Zentis.

Interessant ist in jedem Fall, dass die Supermärkte offenbar deutlichen Einfluss darauf haben, wie die Industrie ihre Waren auszeichnet: Bei den Produkten von Aldi waren 94 % der untersuchten Proben mit den Großen Acht ausgezeichnet (darunter auch Waren von Storck oder Haribo, die sonst nirgends Nährwertangaben aufwiesen) und nur 6 % nicht, bei den Lidl-Produkten waren immerhin noch 60 % mit den Big Eight ausgezeichnet, so das Ergebnis der Untersuchung.

Lebensmittelwirtschaft wirft Verbraucherzentralen Verzerrung und Unsachlichkeit vor

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) in Bonn, der rund 500 Unternehmen und Verbände der deutschen Lebensmittelwirtschaft vertritt, reagiert scharf auf die Analyse.

Die Verbraucherzentrale Hamburg, heißt es in der Pressemitteilung des BLL vom 15. September 2009, lege „den Sachverhalt sowohl in rechtlicher wie auch sachlicher Hinsicht bewusst falsch aus. Sie misst ihre Ergebnisse nicht am geltenden Recht zur Nährwertdeklaration“, führe gar „die Öffentlichkeit irre“.

Die deutsche Lebensmittelwirtschaft deklariere ihre Produkte „ordnungsgemäß und umfangreich“, so der BLL weiter: „Angaben zu Nährwerten auf Lebensmitteln werden bereits heute zu mehr als 80 Prozent gemacht – und dies obwohl bislang keine rechtliche Verpflichtung zu einer generellen Nährwertinformation besteht."

Nährwertangaben nicht verpflichtend, sondern freiwillig

Fakt ist: Die Lebensmittelindustrie ist gesetzlich keineswegs verpflichtet, Nährwertangaben zu machen. Es ist lediglich ein dringlicher Wunsch, dem Firmen nach Gusto entsprechen oder eben nicht. Und das ist rechtlich völlig in Ordnung.

Die so genannte Health-Claims-Verordnung Nr. 1924/2006 der EU legt seit 2006 für bestimmte Werbeaussagen wie etwa „leicht“, „zuckerfrei“, „fettreduziert“ oder „reich an Vitamin C“ fest, was sich dahinter verbergen muss – die Aussagen müssen zudem wahr und wissenschaftlich belegbar sein.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) arbeitet außerdem an einer Liste mit Definitionen von gesundheitsbezogenen Angaben wie „stärkt die Abwehrkräfte“, „stärkt die Knochen“ oder ähnlichem.

Verbraucherschützern wäre es aber lieb, wenn die EU endlich die Auszeichnung mit den so genannten Großen Vier (Big Four; Nährwertangaben zu Brennwert, Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten pro 100 g Lebensmittel) oder Großen Acht (Big Eight; Nährwertangaben zu Energiegehalt, Proteinanteil, Kohlenhydraten, Zuckeranteil, Fettgehalt, gesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen und Kochsalz bzw. Natrium) bzw. alternativ die so genannte Ampelkennzeichnung verbindlich fordern würde.

Die Ampel soll Verbrauchern auf einen Blick zeigen, welche Lebensmittel Fettklopse und Zuckermonster sind und im Sinne von Gesundheit und schlanker Linie eher sparsam verzehrt werden sollten. Doch bislang konnte sich nur die Firma Frosta mit der Ampelkennzeichnung wirklich anfreunden.

Doch die aktuelle Verpackungs-Analyse der Verbraucherzentralen liefert eigentlich ein erstaunlich positives Ergebnis. Im Durchschnitt war auf 85,6 % der getesteten 3.500 Produkte eine Nährwerttabelle zu finden – wenn nicht die große, dann zumindest die kleine. Und das ist immerhin ein Anfang.

Insofern ist die Kritik des BLL an der Analyse der Verbraucherzentralen nachvollziehbar: Statt zu sehen, was die Industrie bereits freiwillig alles tut, habe sich die Verbraucherzentrale marktschreierisch und unsachlich auf die Industrie eingeschossen und die selbst erhobenen Daten so ausgewertet, dass sich ein verzerrtes Bild ergebe.

Bei wieviel Prozent der getesteten Produkte der jeweiligen Lebensmittelgruppe ist eine Nährwerttabelle vorhanden?

Pizza 100 %
Fertiggerichte 95,4 %
Müsliriegel 93,5 %
Milchprodukte 92,6 %
Wurst 92,3 %
Kekse 88,9 %
Eis 88,6 %
Knabberzeug 82,3 %
Süßwaren 77,9 %
Schokolade 77,2 %
Konfitüre 57,6 %
gesamt 85,6 %

(Quelle: errechnet aus den Daten der Verbraucherzentrale Hamburg, PDF „Gesamtübersicht“)

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Kategorie: ratgeber
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Erfassung: 11.10.2009
Quelle: kochmix
 
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