Meerkohl: Ein historisches Gemüse mit Zukunft

 
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Meerkohl: Ein historisches Gemüse mit Zukunft

Er verträgt auch salzhaltigen Boden und wird deshalb neuerdings von Wissenschaftlern als eine Pflanze der Zukunft betrachtet: der Meerkohl.

Frischer Meerkohl zum Ernten bereitSeit 2007 wird er in Holland wieder in größeren Mengen angebaut und ist in Supermärkten erhältlich. In Frankreich (chou marin) und England (seakale) wurde er traditionell ebenfalls angebaut.

Doch neu ist der Echte Meerkohl (Crambe maritima) nicht – in Europa wurde er schon vor langer Zeit verspeist, geriet aber wieder in Vergessenheit, vor allem, weil die Wildpflanze auch als Viehfutter genutzt und fast ausgerottet wurde.

Heimisch ist der Meerkohl an den Küsten von Nordsee und Ostsee, von Frankreich über England bis Dänemark. Daher sein Beiname Strandkohl. Die Wildpflanzen sind mittlerweile sowohl in Deutschland als auch im sonstigen Europa geschützt, um ihren Bestand zu retten.

Gemüse mit Geschichte

Die blaugrünen, fleischigen Blätter des Meerkohls sind mindestens seit Anfang des 18. Jahrhunderts als Gemüse bekannt. Nicholas Lemery kommentiert 1721 in seinem ‚Vollständigen Materialien-Lexicon’ die kulinarischen Qualitäten des Seekohls, den er unter ‚Crambe’ verzeichnet : Die Blätter „schmecken ziemlich gut“. Außerdem sei es „ gut zu den Wunden: seine Blätter und Samen dienen die Würmer zu tödten, die Wunden zu reinigen und zu schliessen, wann sie innerlich gebrauchet und äusserlich aufgeleget werden.“

Samuel Hahnemann beschreibt in seinem Apothekerlexikon von 1798 den Geschmack etwas genauer: Das „im frischen Zustande mit einer bittern, scharfen Milch angefüllte, getrocknet aber nur salzicht schärflich und hintennach beißend schmeckende, geruchlose Kraut“ sei frisch am besten.

1836 erläutert das ‚Damen Conversations Lexikon’ bereits, dass die Blattrippen extra gekocht und wie Spargel behandelt werden, außerdem „ hat man angefangen den Meerkohl in einigen Gemüsegärten zu kultiviren“.

Schon 1906 wird die Crambe erfolgreich als Gemüsepflanze angebaut: „ Man genießt die jungen, durch Bedecken mit einem Topf oder einer Strohkappe gebleichten Triebe im Februar und März wie Spargel. Man genießt die jungen, durch Bedecken mit einem Topf oder einer Strohkappe gebleichten Triebe im Februar und März wie Spargel“, weiß Meyers Großes Konversations-Lexikon zu berichten

Gemüse vom versalzenen Acker

Was damals funktionierte, sollte heutzutage ebenfalls klappen. Jedenfalls ist der Meerkohl neuerdings ins Blickfeld der Ökologen geraten. Denn er gehört zu den Pionierpflanzen, die stark salzhaltige Böden am Meeresufer vertragen. Er zählt zu den so genannten Halophyten, Salzpflanzen.

Das ist für die Agrarwirtschaft hoch interessant. Denn versalzene Böden werden nicht nur in Europa mittlerweile zum landwirtschaftlichen Problem. Die Europäische Umweltagentur konstatierte bereits im Mai 1998 im zweiten Lagebericht zu ‚ Umwelt in Europa’: „Nahezu 4 Millionen Hektar, vor allem im Mittelmeerraum und in den osteuropäischen Ländern, sind von Bodenversalzung betroffen.“

Zeekool von der holländischen Insel Texel

Auf der niederländischen Insel Texel wird seit wenigen Jahren Meerkohl oder Zeekool, wie er auf holländisch heißt, kommerziell angebaut. Im November 2007 kam das Gemüse auf den Markt, seit 2008 ist es über zwei Großhändler in den Niederlanden zu beziehen.

„Alle Chefköche von Texel kombinieren den Meerkohl mit Fisch oder verarbeiten ihn roh in einem Salat“, heißt es stolz auf der Website (http://zeekool.nl/DL/) über den Zeekool von Texel, der dort ökologisch angebaut wird.

Die Stiftung Sint Donatus in Den Hoorn auf Texel experimentiert in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Amsterdam, der Universität von Wageningen und der Provinz Nord-Holland mit  verschiedenen essbaren Halophyten. Die Stiftung prüft sie auf ihre kulinarischen Qualitäten und untersucht, welche küchenfertige Produkte sich aus den Salzpflanzen entwickeln lassen.

Wer im heimischen Garten experimentieren will, findet im Internet Samen oder Setzlinge in Tauschbörsen oder bei spezialisierten Gärtnereien.

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Kategorie: gemuese
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Erfassung: 25.02.2009
Quelle: kochmix
 
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