Hartz IV - Gesunde Ernährung von 3 Euro pro Tag?

 
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Hartz IV - Gesunde Ernährung von 3 Euro pro Tag?

Ob das Geld, was Hartz IV-Empfängern zur Verfügung steht, für einen vernünftigen Lebenswandel reicht, darüber wird heiß diskutiert. Durchschnittlich stehen pro Tag rund drei Euro für Lebensmittel zur Verfügung, im Monat also rund 90 Euro.

Hartz4 - Gesunde Ernährung von 3 Euro pro TagDie einen behaupten, das sei viel zu wenig, um sich davon gesund ernähren zu können. Die anderen verweisen darauf, dass auch Leute, die kein Hartz IV bekommen wie etwa Studierende, von dieser oder sogar geringeren Summen leben können und sich anständig ernähren.

Kochmix will die Probe aufs Exempel machen: die Kochmix-Redakteurin bekommt 30 Euro in die Hand gedrückt und soll sich davon 10 Tage lang ausgewogen ernähren.

Tag 1 des Selbstversuches:

Von 30 Euro Lebensmittel für gesunde Ernährung einzukaufen, ist durchaus eine Herausforderung. Ich muss mir gut überlegen, was ich in dieser Zeit essen möchte (und essen sollte).

Außerdem ist mir nicht klar, von welchen Voraussetzungen ich ausgehen kann. Wie viele verschiedene Gewürze hat beispielsweise ein durchschnittlicher Bundesbürger mit geringem Einkommen im Küchenschrank? Besitzt er oder sie einen Gefrierschrank? Oder zumindest ein Gefrierfach?

Ich erkundige mich in der Nachbarschaft und bei Bekannten und komme zu folgendem Ergebnis: Man kann vermutlich davon ausgehen, dass viele Leute zumindest ein ***Gefrierfach im Kühlschrank haben.

Der Gewürzschrank enthält natürlich Salz und Pfeffer, Zucker, Vanillinzucker und Zimt, dazu getrocknete Salatkräuter, Maggi, Instant-Gemüsebrühe und/oder Instant-Fleischbrühe, Lorbeerblätter, Muskat, Paprika, Currypulver, provencalische Kräutermischung, mittelscharfen Senf, Zwiebeln und Essig.

Mit etwas Glück finden sich auch Knoblauch, getrocknete Chilis und eventuell im Blumentopf auf der Fensterbank Schnittlauch, Petersilie und Basilikum. Aber die sind jetzt, im Februar, eigentlich zu mickrig, um sie als Würze verwenden zu können.

Hm – das stellt mich vor eine weitere Herausforderung. Ich bin Single, koche gern freihändig ohne Rezepte, aber dafür mit vielen Gewürzen. Bei mir gibt’s eine ganze Palette indischer Gewürze, dazu diverse getrocknete Kräuter wie Schabzigerklee, Bärlauch oder Dill, Sojasauce und getrocknete Shiitake-Pilze sowie Ingwer. Das meiste kann ich also gar nicht verwenden, wenn ich halbwegs realistisch kochen will, oder ich muss es von den 30 Euro mitfinanzieren.

Weder Fast Food noch Fertigprodukte

Eins ist von vorneherein klar: Fast Food gibt’s nicht. Das schließt Fertiggerichte vom Supermarkt mit ein. Denn dieses Zeug ist einfach zu teuer – ich kann selber sicher billiger kochen. Auch Fleisch und Fisch wird es nicht oft geben. Das macht mir nicht so viel aus, weil ich sowieso eher Käse und sonstige Milchprodukte als Fleisch esse.

Frisches Obst und frisches Gemüse sind zentral für gesunde Ernährung. Damit mir dabei die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, sollten sie möglichst gerade Saison haben – was im Spätwinter nicht gerade leicht ist.

Außerdem habe ich mir vorgenommen, am Wochenende etwas Leckeres zu kochen, mit Fleisch, und einen Hefekuchen zu backen, um mit meinen Nachbarinnen gemeinsam einen nachmittäglichen Plausch bei Kaffee und Kuchen zu machen.

Wenn irgend möglich, möchte ich bei meinem Einkauf auch Bio-Lebensmittel berücksichtigen. Sie sind im Durchschnitt deutlich weniger mit Pestiziden belastet, das ist gut für die Gesundheit.

Da ich quasi von einem leeren Kühlschrank und einem leeren Vorratsschrank ausgehe, muss ich mit den 30 Euro auch Grundnahrungsmittel kaufen, die ich während der 10 Tage gar nicht alle aufessen werde. Für die abschließende Berechnung schaue ich einfach, wie viel ich davon jeweils verbraucht habe und berechne die Menge anteilig für den Versuchszeitraum. Denn was ich in der ersten Woche mehr ausgebe, habe ich ja in der zweiten Woche übrig für andere Lebensmittel.

Einkaufssituation

Ich lebe in einer Kleinstadt mit rund 18.000 Einwohnern, nahe der Stadtmitte. Dort gibt es außer Metzgern und Bäckern noch einen kleinen schönen Gemüseladen mit Apothekenpreisen und zwei türkische Supermärkte, die ebenfalls teuer sind und sich zudem mit ihrem Sortiment überwiegend an türkischen Essgewohnheiten orientieren. In all diesen Läden werde ich also wohl kaum etwas einkaufen können.

Am Stadtrand, etwa fünf Kilometer von meiner Wohnung entfernt, liegt ein Einkaufszentrum mit den typischen großen Supermärkten: Aldi, Lidl, Marktkauf, Rewe und der dm-Drogeriemarkt. Da ich kein Auto besitze, geht’s mit dem Fahrrad zum Einkaufen.

Den Speisezettel planen

Kochen macht mir durchaus ab und an Spaß, aber ich möchte nicht allzuviel Zeit damit verbringen. Da ich bei diesem Selbstversuch nichts einfrieren kann und auch beispielsweise gefrorenes Gemüse nur in kleinen Mengen einkaufen kann, weil das Eiswürfel-Gefrierfach eine Aufbewahrung für maximal 3 Tage erlaubt, muss ich gut überlegen, wie ich etwas Abwechslung in das Gemüse bringe, ohne am Ende etwas wegwerfen oder verwelktes essen zu müssen.

Frühstück

Morgens trinke ich Kaffee mit Milch und esse normalerweise eine Scheibe Brot dazu. Meistens Vollkornbrot, manchmal aber auch Mischbrot. Dazu gibt es Magerquark und Marmelade, Butter und Honig, manchmal auch Butter und Schinken oder Butter und Käse.

Manchmal esse ich aber auch Müsli aus Haferflocken mit Naturjoghurt und Honig oder Rosinen, oder mit geriebenem Apfel oder sonstigem Obst, das gerade im Hause ist. Mal sehen, was ich mir davon mit 3 € pro Tag noch leisten kann.

Mittagessen

Einmal am Tag soll es auf jeden Fall eine warme Mahlzeit geben. Kartoffeln, (Vollkorn-)Reis und Nudeln stehen auf der Beilagenliste. Außerdem wird es sicher das ein- oder andere Gericht mit Eiern geben. Freitags, das weiß ich jetzt schon, mache ich Heringssalat mit Pellkartoffeln.

Ansonsten bin ich noch unentschlossen – ich muss einfach schauen, welches Gemüse und welches Obst gerade besonders günstig ist.

Getränke

Wie gesagt: Kaffee gibt’s zum Frühstück, und am Nachmittag ebenfalls. Ansonsten bin ich bei Getränken recht anspruchslos: Meistens trinke ich Wasser aus dem Hahn. Sprudel mag ich nicht besonders, Saft trinke ich auch nur selten. Wenn mir kalt ist, gibt’s Kräuter- oder Früchtetee, grünen Tee, schwarzen Tee oder Carokaffee.

Das ist sicher nicht besonders realistisch, verglichen mit den Trinkgewohnheiten vieler anderer Menschen. Deshalb plane ich auf jeden Fall zwei Liter Saft ein und zwei Flaschen Sprudel.

Abendessen

Abends gibt es entweder Brot oder kreativ weiterverarbeitete Reste vom Vortag oder vom selben Mittag, beschließe ich. Dazu Salat oder auch mal ein Süppchen.

Mit Taschenrechner, Ideenliste, Stift und Papier ausgerüstet, mache ich mich jetzt auf den Weg zu den Supermärkten.

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Kategorie: ratgeber
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Erfassung: 05.03.2009
Quelle: kochmix
 
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