Hartz IV - Der Einkauf mit 30 Euro

 
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Hartz IV - Der Einkauf mit 30 Euro

Tja, den Taschenrechner, Papier, Stift und Einkaufsliste habe ich vergessen. Ich hoffe, dass ich mich an die wichtigsten Dinge erinnere und versuche einfach, grob einen Überblick übers Budget zu behalten. Ganz wie im richtigen Leben, oder?

Hartz IV - Der EinkaufSupermarkt Nr. 1 besuche ich hauptsächlich, um Feta aus Schafsmilch einzukaufen – der ist hier besonders billig. Ansonsten ist mir dieser Laden einfach unsympathisch, ohne dass ich mit einem wirklichen Grund aufwarten kann. Ich nutze aber die Gelegenheit, mir die Preise etwas genauer anzuschauen.

Kartoffeln habe ich gestern schon in der Stadtmitte gekauft, das Kilo für 0,85 Euro – unser schöner Gemüseladen hatte sie im Angebot und ich dachte, das ist ein guter Preis, und außerdem stammen sie aus der Region. Und es sind hübsch kleine Kartoffeln, die ich lieber mag als große. Jetzt stelle ich fest: Hier hätte ich 5 Kilo im Sack für 0,45 Euro pro Kilo kaufen können. Aber wo bringe ich 5 Kilo Kartoffeln unter?

Außerdem finde ich Weißkohl und Rotkohl für 0,49 Euro pro Kopf. Aber erstens hatte ich kürzlich Rotkraut satt, zweitens kann ich den Kohlgeruch in der Wohnung nicht ausstehen (Lüften hilft da kaum) und drittens habe ich zwar einen Gefrierschrank, aber der ist ja für das Experiment durch ein virtuelles Kühlfach ersetzt, so dass ich auch nicht vorkochen und einfrieren kann.

Das ist übrigens ein Punkt, der mich besonders in meiner Planung beeinträchtigt. Normalerweise habe ich nämlich diverse Gemüsesorten im Gefrierschrank, mit denen ich meinen Speiseplan bereichere. Erbsen und Rosenkohl sind vorrätig, außerdem habe ich, als Lauch günstig war, gleich einige Stängel geschnitten und eingefroren, die ich sowieso nicht sofort essen konnte. Und von dem kleinen Spitzkohl, den ich geschenkte bekommen habe, warten auch noch vier dicke Scheiben darauf, die nächste Suppe anzureichern.

Aber zurück in die Gegenwart: Tja, heute bin ich ganz offensichtlich zum falschen Zeitpunkt in diesem Supermarkt: das Gemüse sieht welk aus oder ist deutlich verletzt. Sowas mag ich nicht kaufen.

Eine kleine Psychologie des Einkaufens

Auf geht’s zum nächsten Supermarkt. Zum Glück habe ich vor dem Einkaufen etwas gegessen, sonst wäre mir der Weg an dem verführerisch duftenden Backladen sicher schwer gefallen. Mir fallen lauter Dinge auf, die ich mir von den 30 Euro gerade alle nicht kaufen kann. Zum einen sind sie ja ausschließlich für Lebensmittel bestimmt – also kaufe ich keine dicke Wochenendzeitung und auch keine frühlingsbunte Zeitschrift.

Zum anderen gibt’s ja wirklich keinen Grund, warum ich ausgerechnet heute Appetit haben soll auf Lebensmittel, die ich auch sonst höchstens einmal im Jahr esse, und dann eher wenn ich zu Besuch irgendwo bin: Krabben in Salzlake. Wieso, bitteschön, will ich die gerade jetzt haben, wo sie mir sonst doch völlig egal sind?

Hartz IV - Lebensmittel im EinkaufskorbDas Gehirn ist ein wundersames Ding. Die äußere Beschränkung durch die 30 Euro hat erst einmal dazu geführt, dass mir mit sportlichem Eifer –zig Möglichkeiten eingefallen sind, wie man Geld bei der Ernährung einsparen kann.

An den Feld- und Waldrändern Wildkräuter sammeln, beispielsweise. Oder im Park oder auf der Wiese ums Haus auf Löwenzahnsuche für den Salat gehen. Oder erstmal von den diversen Getreidesorten und Hülsenfrüchten Körner kaufen, aus dem Getreide Brei oder reisartige Beilagen kochen, die Hülsenfrüchte keimen lassen zu Sprossen etc.

Zur Erntezeit schauen, ob man bei den Bauern helfen kann oder fragen, ob man Gemüse, was sie nicht zum Großmarkt bringen, günstig kaufen kann, z. B. große krumme Zucchini. Dummerweise haben wir noch Winter. Bis auf Getreide und Hülsenfrüchte sind diese Ideen eher was für die warme Jahreszeit.

Beim Anblick der großen Kohlköpfe habe ich mir überlegt: Wenn ich tatsächlich als Single von 3 Euro pro Tag leben müsste, würde ich mir andere Leute suchen, denen es genauso geht. Bei der Arbeitssuche, z. B. auf dem Arbeitsamt müssten die doch eigentlich zu finden sein.

Und dann würden wir die Kohlköpfe und den Riesensack Kartoffeln zusammen kaufen und alles aufteilen. Oder vielleicht sogar gemeinsam schnibbeln und kochen, reihum, so dass jeder mal drankommt mit seiner Küche. Das würde sogar zusätzlich Stromkosten sparen. Die Frage ist, ob man gerade die Leute findet, mit denen man sich zusammentun will...

Jetzt beim Einkaufen dreht mein Gehirn so richtig auf und zeigt mir, was es kann. Nicht nur, dass es Zeugs, was ich sonst kaum je esse wie diese Krabben mit einer Theatralik in meine Wahrnehmung rückt, die einem Filmstar Ehre machen würde. Auch die Preisschilder scheinen heute mindestens dreimal so groß zu sein wie sonst und springen mich geradezu an. Genauso wie die Flugananas, die goldenen Bio-Bananen und die Erdbeeren aus Übersee, die sich verlockend zwischen langweiligen Äpfeln räkeln.

Energisch schubse ich meinen Einkaufswagen weiter – Äpfel habe ich sowieso noch zuhause, die müssen erst gegessen werden. Erdbeeren kaufe ich nur, wenn sie Saison haben. Ananas und Bio-Bananen sind zu teuer. Mit dem Gemüse habe ich heute Pech, auch hier gibt’s keinen Salat mehr, teures oder welkes Gemüse oder vorgeschälte, eingeschweißte Kartoffeln – wer braucht denn so was. Immerhin finde ich ein daumenlanges Stück frischen Ingwer und drei Sprossen Chicoree für ’nen Euro, die esse ich am Wochenende als Salat und/oder Gemüse, und dann gehe ich weitere frische Sachen einkaufen.

Hartz IV - Hat das Geld gereicht?In diesem Laden hole ich aber meinen Kaffee für 3 Euro. Diese Sorte, kürzlich zum ersten Mal versucht, schmeckt so kräftig, dass ich für meine Cafetière nur halbsoviel Pulver brauche wie sonst. Außerdem nehme ich noch ein kleines Fläschchen Bio-Sojasauce mit (als Ersatz für Maggi, das besitze ich nämlich nicht) und Bio-Fencheltee in Beuteln.

Kosten meiner Ausbeute bisher: 9,12 Euro, also schon ein Drittel.

Supermarkt Nr. 3 steht mir bevor. Mittlerweile bin ich schon etwas müde und leicht genervt. Ich bin es nicht gewohnt, so viel Zeit in den wuseligen Läden zu verbringen, normalerweise bin ich ganz fix wieder draußen, aber dann achte ich natürlich auch nicht so auf die Preise.

Jetzt muss ich erstmal die mentale Liste der Grundnahrungsmittel abklappern: Vollkornbrot und Knäckebrot, Haferflocken, Rosinen, Nudeln und Bio-Reis. Erstaunt stelle ich fest, dass a) ich bislang nirgends Vollkornreis gesehen habe und b) der Bio-Reis zwei Cent billiger ist als konventioneller Basmati-Reis. Erstaunlich.

Am Kühlregal geht’s weiter: Butter, Magerquark, eine Bio-Milch, Ziegengouda, Schwarzwälder Schinken. Und Kalbsleberwurst – das ist heute ein Zugeständnis an die wurstliebenden Leute, die finanziell knapp leben, denn eigentlich wäre ich mit dem Schinken völlig zufrieden.

Dazu zehn Bio-Eier. Die sind zwar deutlich teurer als normale Eier, aber bei Eiern bin ich nicht bereit, Kompromisse zu machen. Die Hühner sollen ein halbwegs gutes Leben haben, finde ich, wenn sie schon ständig Eier produzieren müssen und außerdem nach einem kurzen Leben im Kochtopf landen.

Nun noch der Fisch. Matjesfilet gibt’s gerade nicht, also nehme ich Sahne-Heringsfilet für mein Freitagsessen. Dabei fällt mir ein, dass ich dazu auch noch saure Gurken brauche, die ich sowieso gern mag und schon länger nicht mehr gegessen habe. Beim Stichwort Salat erinnere ich mich, dass das Olivenöl ebenfalls noch fehlt. Und die Salatgurken sehen lecker aus. Dabei fällt mir ein, dass ich den Saft vergessen habe – also wandert noch ein naturtrüber Apfelsaft in den Wagen.

Das Einkaufsergebnis

Puh, ich glaube, ich habe schon einiges an Geld verbraucht. Mein Einkaufswagen enthält nur wenig Gemüse und noch kein Obst (außer den Rosinen), aber das sollte man ja sowieso häufiger kaufen, damit es möglichst frisch auf den Tisch kommt.

Beim Bezahlen bekomme ich einen Schreck: 20 Euro und 40 Cent. Damit ist mein Budget eigentlich schon aufgebraucht. Da fällt mir zum Glück ein, dass ich ja die Grundnahrungsmittel nicht alle aufbrauchen werde und deshalb noch einen kleinen finanziellen Puffer habe. Vielleicht sollte ich den Selbstversuch auf einen Monat ausdehnen, dann wird es wirklich realistisch.

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Kategorie: ratgeber
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Erfassung: 06.03.2009
Quelle: kochmix
 
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