Bio wir wollen alle nur das Beste

 
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Bio wir wollen alle nur das Beste

Bedächtig nagt die scheinbare Hilflosigkeit an unserer Konsequenz. Die Folge ist meist ein noch viel schlimmer nagendes schlechtes Gewissen. Wieder konnten wir nicht widerstehen!

Bio - Wir wollen alle nur das BesteDie Hoffnung, dass es zumindest eine Biokuh gewesen sein könnte, die soeben in Form eines Burgers der eigenen Verdauung zugeführt wurde, verbreitet schlussendlich doch eine gewisse beruhigende Wirkung.

Theoretisch sind wir sehr wohl in der Lage nachzuvollziehen, was wir essen, wie es produziert wurde und woher die Produkte kommen, die wir kaufen. Wie die verschiedensten Zusatzstoffe reagieren, die viele Produkte enthalten, kann bei dieser Fülle wohl kaum noch ein Experte mit wirklich ruhigem Gewissen beurteilen. Schon gar nicht, wenn sie im Körper möglicherweise mit anderen Zusatzstoffen zusammentreffen.

Erschreckend, dass offizielle EU-Stellen vor nicht allzu langer Zeit noch recht laut darüber nachgedacht haben, dass Hersteller ihre Zusatzstoffe überhaupt nicht mehr oder nur noch bedingt testen müssen. Ältere „E-Nummern“ sind mittlerweile sowieso praktisch ungeprüft durch das Raster gefallen. Ob nun bedenkenlos oder nicht – wer sich als Laie schon die Frage nach ökologischer und sozialer Verträglichkeit stellt und auch den Tierschutz nicht zu kurz kommen lassen will, wird wohl oder übel zustimmen müssen, dass diese Informationsbeschaffung eine sehr zeitaufwendige „Freizeitbeschäftigung“ sein kann, die wohl eher an die Leiden des Sisyphus erinnert.

Für viele ein Lichtschein in weiter Ferne sind freilich Gütesiegel, die es mittlerweile allerdings in so großer Zahl gibt, dass wohl die wenigsten alle zumindest irgendwann einmal gesehen haben. Dass nicht alle Siegel uneigennützig sind, sondern sehr viele mittlerweile vorwiegend gewisse Marketingaufgaben erfüllen, ist zwar tragisch aber leider Realität. Zu ergründen, was wirklich hinter so manchem „Gütesiegel“ verborgen bleibt, artet daher zum nächsten Spießrutenlauf aus. Außerdem, wer von uns hat eigentlich das Recht zu bestimmen, wie viel Platz eine „Biokuh“ wirklich benötigt und was das Leben eines „glücklichen Huhns“ wirklich ausmacht? Tierschutzorganisationen fordern Richtlinien, die nicht immer mit den Absichten offizieller Stellen einhergehen. Diejenigen, die sich zumindest diesen Teil vom schlechten Gewissen sparen wollen, werden sich in Zukunft wohl eher vegetarisch ernähren.

Auch bei Obst und Gemüse kann schon mal der gute Geschmack schwer ins Schleudern geraten und das nicht nur beim Hineinbeißen. Plantagenarbeiter und Kleinbauern in den so genannten Entwicklungsländern erhalten im wahrsten Sinne des Wortes Hungerlöhne für schwerste Arbeit.

In Zeiten der Gentechnik wird die Frage immer lauter, ob man sich dabei wohl Gutes tut, wenn man gentechnisch veränderte Produkte isst? In den USA bereits Gang und gäbe, kämpft man hierzulande noch dagegen an. Die Frage ist bloß, wie lange sich ein gewisser Idealismus gegen die großen Herstellerkonzerne noch durchsetzen kann. Jüngst hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die österreichischen Gentechnik-Importverbote sehr negativ bewertet. Im Futtermittel scheint es ja kaum mehr nachvollziehbar zu sein, wie weit dieses manipuliert wurde. Langzeitstudien, die in solchen Fällen eigentlich vorgeschrieben wären, gibt es nicht. Trotzdem tendiert man auch hier von offizieller Seite zu einer Zulassung.

Hybridsaatgut verspricht makelloses Gemüse. Doch einmal gesät, müssen die Landwirte im nächsten Jahr erneut Saatgut kaufen. Das Verwenden von pflanzeneigenen Samen im nächsten Jahr ist nicht mehr möglich. Ob so nur der Geschmack auf der Strecke bleibt, sei mal dahin gestellt. Wird dieses Hybridsaatgut auch noch in Nährlösungen groß gezogen und sehen die zarten Pflänzchen ihr Lebtag weder Erde noch Sonne, staunt der interessierte Konsument bloß noch Bauklötze.

Hinterfragt man dann noch, woher die Bananen stammen, wie viele Pestizide dafür verbraucht wurden und warum die Plantagenarbeiter nicht mal genug Geld bekommen um sich selbst zu ernähren, geschweige denn ihre Familie, so scheint es nur noch zwei Möglichkeiten zu geben. Entweder man nimmt hin, „nichts ändern zu können“ oder trinkt nur noch Leitungswasser und sticht Ruccola im Garten, so man einen Garten hat. Beide Varianten werden wahrscheinlich nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Der Ruf der Kunden nach mehr Transparenz hat mittlerweile sehr wohl schon bewirkt, dass die Zahl jener Produkte ständig am Steigen ist, die Einkaufen mit Verantwortung erleichtern. Ökologisch und sozial verantwortungsvolle Produkte, die auch dem Tierschutz entsprechen, sind nun immer häufiger nicht nur in Reformhäusern und Weltläden zu finden, sondern auch in den gewöhnlichen Supermärkten.

Heimische Supermarktketten werben ebenso mit ihrer eigenen Biomarke, wie auch heimische Hersteller von Bioprodukten, die meist ihrem Bio-Namen auch gerecht werden. Eine gute Informationsquelle dafür bietet die österreichische Internetseite http://www.marktcheck.at Einen generellen Überblick über den österreichischen Gütesiegel-Dschungel ist  unter http://marktcheck.greenpeace.at (Rubrik Ernährung >Bewusstes Essen >Gütezeichen für Lebensmittel) als PDF-Datei zum Herunterladen zu finden.

Der grüne Frosch der „Rainforest Alliance“ schmückt seit kurzem die Banane von Chiquita. Trotz massivem Einsatz von Pestiziden und Fungiziden und Arbeitsbedingungen für die Plantagenarbeiter, die höchstens als halbwegs erträglich eingestuft werden können, wie Global 2000 berichtet. Erste Wahl beim Kauf sind zurzeit wohl fair gehandelte Waren mit dem FairTrade-Zeichen. Diese Produkte garantieren, unter anderem, den ökologisch verträglichen Anbau und Mindestpreise, die deutlich über dem des Weltmarktes liegen und somit eine solide Lebensgrundlage für die Produzenten (meist Kleinbauern in Entwicklungsländern) bietet. Nähere Informationen zu Fair Trade Produkten finden Sie unter http://www.fairtrade.at

Bananen wird man zwar beim Biobauern in der Nähe nicht kaufen können, sehr wohl aber eine Vielzahl anderer Obst- und Gemüsesorten. Agrarrebell Sepp Holzer ist nicht nur wegen seiner eigenen Form der Permakultur Ziel so mancher wissenschaftlichen Forschungsarbeit geworden, sondern hat auch bewiesen, dass auf seinem in 1500 Metern Höhe gelegenen Hof sogar Kiwis wachsen. Und auch im Winter kann er Radieschen ernten.

Doch gibt es auch weniger rebellische Biobauern, die zumeist ihre Produkte auch ab Hof verkaufen. Kauft man solche Produkte, unterstützt man zusätzlich die heimische Landwirtschaft und hilft mit, dass unsere Nahrungsmittel nicht mehrmals quer durch Europa gefahren werden, bis sie schlussendlich am Mittagstisch landen. Das hilft Energie zu sparen und Feinstaub zu vermeiden, der derzeit sowieso in aller Munde ist und bald wohl recht unfreiwillig in den meisten unserer Nasen. Auf dem Land ist es sicherlich leichter direkt beim (Bio-) Bauern zu kaufen, als in der Stadt. Wer wirklich frisches Gemüse kaufen will und es nicht direkt beim Hersteller beziehen kann, ist in den meisten Fällen wohl paradoxerweise sowieso mit Tiefkühlprodukten besser beraten, die natürlich auch aus heimischer Produktion stammen sollten. Vielerorts vermehren sich auch die Glashäuser in den Gärten, um auch in den kälteren Jahreszeiten vieles selbst anbauen zu können.

Sich guten Gewissens zu ernähren ist freilich nicht leicht in unserer Welt. Kaum jemand wird wollen, dass es jemand anderem schlecht geht, nur um sich selbst den Bauch voll schlagen zu können. Das Bewusstsein, dass gerade dies oft der Fall ist, fehlt uns jedoch oftmals. Die Konsequenz, bei all der Werbung eben diesen Verlockungen zu widerstehen, wird wohl nicht jeder von uns aufbringen können. Ziel muss es sein, dass sich vor allem auch große Konzerne in Zukunft mehr Gedanken darüber machen, wie und woraus ihre Waren produziert werden. Und auch nicht nur ein Verantwortungsbewusstsein für die Aktionäre, sondern auch für die Konsumenten und Erzeuger zu entwickeln. Ob dies mit vereinten Kräften gelingen kann, wird die Zeit weisen.

Wer zumindest ab und zu Bioprodukte kauft, leistet bereits einen wertvollen Beitrag dazu, dass in Zukunft weder Tier noch Mensch ausgebeutet und die Umwelt geschont wird. Wer nun schlussendlich mit seinem Gewissen im Reinen ist, kann sich entspannt zurücklehnen. Vielleicht ist es dann an der Zeit, sich auch darüber Gedanken zu machen, woher die vielen schönen Dinge kommen, die den Kleiderschrank füllen. Das wichtigste ist sicherlich, einfach öfter darüber nachzudenken, was man kauft und woher die vielen schönen Waren kommen. Denn eines steht fest! Wir wollen doch alle nur das Beste... die meisten von uns zumindest!

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Kategorie: bio
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Erfassung: 05.03.2007
Quelle: Kochmix
 
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