Alb Linsen - alb-leisa die Rückkehr der Alblinsen - Slow Food

 
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Alb Linsen - alb-leisa die Rückkehr der Alblinsen - Slow Food

Eigentlich gehören Linsen und die Schwaben zusammen wie Königsberg und Klopse oder die Butter aufs Brot. Noch im 19. Jahrhundert wuchsen auf der Schwäbischen Alb mehrere Tausend Hektar Linsen.

Alb Linsen - alb-leisa die Rückkehr der Alblinsen - Slow FoodGemeinsam mit Spätzle liefern die eiweißreichen Hülsenfrüchte unserem Körper eine optimale die Kombination von Aminosäuren. Weltweit ist der Nährwert des schwäbischen Nationalgerichtes nur zu vergleichen mit Nahrungspartnern wie Mais mit Bohnen in Amerika oder Reis mit Soja in Asien.

Trotzdem stoppten Ende der 1950er Jahre die letzten Landwirte auf der Alb den Anbau von Linsen. Die Importe waren billiger und den Verbrauchern war es egal, woher ihre Linsen kamen. Die Pflanzenzüchter setzten damals vor allem auf Masse. Hauptsache, der Ertrag von Weizen, Mais und Kartoffeln stimmte.

Mancher Landwirt sehnte sich jedoch nach der Frucht aus seiner Kindheit: "Die alten Bauern bei uns in der Gegend haben uns erzählt, wie sie noch Linsen angebaut haben, gemeinsam mit Gerste und Hafer als Stützfrucht für die zarten Pflanzen. Beim Linsen essen haben wir davon geträumt, wieder Alb-Linsen auszusäen", erinnert sich Woldemar Mammel. Darum hat der Bioland-Bauer aus Lauterach bereits in den 1980er Jahren wieder Linsen angebaut. Mit der Zeit konnte er immer mehr Kollegen für seine Idee begeistern. Mittlerweile engagieren sich elf Bäuerinnen und Bauern in der „Öko-Erzeugergemeinschaft «Alb-Leisa» und bewirtschaften insgesamt 30 Hektar mit Alblinsen.

Allerdings müssen die Bio-Bauern die französische „Le puy-Linse" verwenden. Denn die original schwäbischen Alb-Linsen - die vom Haigerlocher Pflanzenzüchter Fritz Späth in den 1930er und 40er Jahren gezüchteten „Späthsche Alb-Linse 1 und 2“ – waren unauffindbar. Alle Anfragen bei Saatguthändlern waren vergeblich. Auch das Stöbern in alten Scheunen, in denen Linsenstroh einst eingelagert wurde, ergab nichts. Aus der großen deutschen Genbank in Gatersleben kam ebenfalls eine Absage. "Niemand hat diese einzigartigen, damals im Bundessortenregister eingetragenen Linsensorten aufbewahrt", beklagt Mammel.

Doch die verschollenen Linsen riefen auch andere baden-württembergischen Hobbydetektive auf den Plan: 2006 machen sich der private Pflanzenzüchter Klaus Lang und Klaus Amler von der Stuttgarter Umweltagentur Ökonsult auf die Suche. Beide werden unabhängig voneinander ein Jahr später in Russland fündig!

Das Wawilow-Institut in St. Petersburg, das bereits seit 1925 für die Genvielfalt der Nutzpflanzen kämpft, hat die zwei Sorten aufbewahrt. Mittlerweile haben die Bauern zwei Samentütchen von der Petersburger Genbank bekommen. Allerdings dauert es noch rund fünf Jahre bis zum Testessen. Bis dahin müssen die wertvollen Samen einfach nur vermehrt werden.

Unterstützung erhalten die Erzeuger von Slow Food Deutschland. Die Verfechter regionaler Esskultur haben die Alb-Linse vor zwei Jahren in die "Arche des Geschmacks" aufgenommen, um das traditionelle landwirtschaftliche Erzeugnis der Schwäbischen Alb vor dem Vergessen zu bewahren. Weitere Infos unter www.alb-leisa.de

Die russischen Retter
Das Wawilow-Institut in St. Petersburg hat sich schon früh die Erhaltung von Saatgut zur Aufgabe gemacht. Nikolai Wawilow, international hochangesehene russische Botaniker, Genetiker und Forschungsreisender hat 1924 das Wawilow-Institut als Gen-Bank für Pflanzen gegründet.

1926 begründete er die Theorie von den geographischen Genzentren der Kulturpflanzen auf der Erde. Auf über hundert internationalen Forschungsreisen sammelte er selbst in diesen Genzentren erhaltenswertes Saatgut. Er starb 1943 im Gefangenenlager, ein Opfer der Diktatur Stalins.

Das Institut überlebte den zweiten Weltkrieg und die folgenden politischen Wirrnisse, teils unter anderem Namen. Selbst in größter Hungersnot - während der 900 Tage dauernden Belagerung durch die deutsche Armee im zweiten Weltkrieg - haben die Mitarbeiter der Versuchung widerstanden, ihre Früchte zu verzehren.

Idealistische russische Wissenschaftler setzen sich unter großen persönlichen Opfern weiterhin für seinen Nachlass ein. Heute kümmern sich dort insgesamt 900 Menschen um Saatgut von ca. 330.000 Pflanzen, darunter knapp 10.000 Kartoffelsorten und 48.000 Leguminosen. Die Samen werden bei unterschiedlich Temperaturen gelagert und alle paar Jahre wieder ausgesät und neu geerntet, um die Keimfähigkeit zu erhalten. Wawilows Vermächtnis lebt bis heute fort.

Die Öko-Erzeugergemeinschaft "Alb-Leisa" möchte gerne das Wawilow-Institut in St. Petersburg in seiner Arbeit unterstützen. Dafür und für den Erhalt, die Aufzucht und Verbreitung der Alb-Linsen-Sorten benötigen sie Spenden: Sonderkonto "Alblinsen" von Slow food Deutschland bei der Sparkasse Münsterland Ost BLZ 400 501 50, Kt.Nr. 34 160 069.

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Kategorie: lifestyle
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Erfassung: 04.03.2008
Quelle: kochmix
 
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